Mitschrift Medientage München: "Digitaler Kiosk"
Session-Beschreibung:
Um journalistische Qualitätsprodukte im Netz zu monetarisieren, setzen deutsche Verlage zurzeit vor allem auf den "Digitalen Kiosk". Rechtliche Rahmenbedingungen für den Wettbewerb gibt es bislang praktisch keine: Kioskanbieter können Verlagen die Konditionen vorgeben, zu denen diese ihre Produkte online verkaufen dürfen. Das Panel geht der Frage nach, ob das derzeitige Verfahren mit Blick auf einen chancengleichen und diskriminierungsfreien Zugang zu den Vertriebsplattformen so in Ordnung ist, oder ob ein fairer Wettbewerb einen rechtlichen Rahmen braucht. Hinterfragt wird zudem, warum deutsche Verlage keine einheitliche Strategie mit einer gemeinsamen Plattform verfolgen, um der internationalen Konkurrenz Paroli zu bieten.
- Dr. Matthias Knothe, Leiter Stabsstelle Medienpolitik, Staatskanzlei Schleswig-Holstein, Kiel
- A. von Reibnitz, Geschäftsführer Anzeigen und Digitale Medien, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Berlin
- Bernhard Ribbrock, External Manager Project PagePlace, Deutsche Telekom, Darmstadt
- Dirk Specht, Leiter Business Development Elektronische Medien, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt
- Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs, Axel Springer, Berlin (iKiosk)
- Dr. Bernhard Mischke, Geschäftsführer pubbles, Hamburg
MODERATION
- Prof. Dr. Florian Stadel, Journalist, Stadel Medienberatung, Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Wettbewerb ohne Regeln und Strategie
Einführung Prof. Dr. Florian Stadel
- traditionelle Erlösmodelle erodieren
- Kunden unterstützen Abos und Co nicht länger
- wandern ins Internet ab
- Dort gibt es für Qualitätsjournalismus keine Möglichkeiten der Monetarisierung?
- Oder doch? iPad und Co gibt es doch. Digitale Kioske wurden auch hier ins Netz gestellt.
- Tut es das oder müssen Verlage sich andere Erlösmodelle ausdenken?
Keynote von Dirk Specht
- vor 1 Jahr gab es Artikel zu digitaler Disruption unter Schirmherrschaft von Eric Schmidt
- schreiben nichts über öknonomischen Veränderungen, nur Kommunikationsverhalten
- Internet ist Kommunikation und Vernetzung, bilden neue Netzwerke, erlauben Networking in bestehenden. Etablierte Publikationskonzepte funktionieren nicht mehr. Kommunikationsarchitekturen ändern sich ständeig
- umfassende Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft usw.
- nicht begrenzt auf Medienindustrie. Disruption von ganzen Märkten
- Damit betrifft es aber Marktsäulen von Verlagshäuser
- Disruption des Medienmarktes ist ganz offensichtlich
- Kernleistung journalistische Inhalte zu vermarkten, ist nicht mehr so wie bisher möglich
- Wenden sich daher den Leser/Nutzer-Märkten zu.
- Werden Kioske das lösen können?
- Eric Schmidt nannte das den 1. Akt, wieviele Akte es geben wird, wissen wir nicht.
- Es entstehen neue Ökosysteme. Die neuen Systeme sind sehr integrierte Plattformen, Beispiel Facebook und Apple.
- Verlage kämpfen im Wettbewerk mit ihren statischen Internetpräsenzen. Sie versuchen Kioske danebenzustellen. Währenddessen treiben die Betreiber von Informationsportalen die Disruption aber weiter voran.
- Die neuen Plattformen sind für alle Inhalte da. Können wir uns da unter K wie Kiosk danebenstellen oder müssen wir uns integrieren.
- Es gibt keine digitalen Biotope, auch K wie Kiosk kann kein Biotop sein.
- Abwehrstrategien sind seines Erachtens nicht möglich, Aussitzen auch nicht. Märkte verändern sich von aussen.
- Wir haben es in Zukunft mit wenigen grossen Intermediären zu tun.
- Ganz neue Situation, auch neue Herausforderung an Gesetzgeber
- Ist heutige wettbewerbsrechtliche Form die richtige? Sind wenige starke Anbieter die Norm, sollte das die Norm sein?
- Wie kann man Intermediäre so regulieren, dass diese selbst einen funktionierenden Markt erzeugen?
- "Wenn Du nicht gewinnen kannst, so kämpfe nicht". Dies soll eine Absage sein an eine Strategie, die zwangsläufig zum Untergang führt.
an Mischke: Wie viel ist von Anfangseuphorie bei Pubbles geblieben?
- Haben spannende Marken geholt
- noch nicht die Breite, die man sich wünschen würde, aber entwickelt sich positiv
- Markt entwickelt sich langsamer, als wir denken, aber er entwickelt sich
- Der ein oder andere Player ist in den Markt eingestiegen
Zu Monetarisierung:
- über Zahlen sprechen wir grundsätzelich nicht, wie alle in der Branche.
- entwickeln sich aber prächtig, geben demnächst dazu noch eine Mitteilung raus
- pubbles kann sich dann noch stärker und besser entwickeln.
an Keese: Verkaufszahlen Springer sind ja gut. "Apple wird die 30% nicht ewig halten können" war vor einem Jahr. Hat ja nicht funktioniert. Haben Sie kapituliert in Richtung Apple?
- Apple nimmt nach wie vor 30%.
- Aussage war aber nicht kurzfristig, sondern durch Wettbewerb wird Preisbewegung entstehen und die ist auch entstanden.
- Google OnePass z.B. nur 10%
- Amazon musste sich jetzt auch mit Marktsituation anfreunden, suchen daher auch in der Spanne ihr Heil. Das ist schonmal so richtig und gut.
- Abseits der US-Märkte sehen wir eine breite Konditionenspanne.
- Ist doch schon was erreicht worden
an Keese: Bei iKiosk ist ja relaunch geplant. Auch andere Publikationen ausser Springer sollen ja reinkommen. Aber warum ist das alles nur PDF? Ist das nicht eine Nische und Zug fährt in eine andere Richtung
- Das ist auch der Unterschied zu pubbles, der multidimensional arbeitet.
- Wir glauben, dass der PDF-Markt vollständig unterbewertet ist oder war.
- Es stellt sich heraus, dass PDFs beim Nutzer ganz anders wahrgenommen werden. Sie haben ein Anfang und ein Ende. Man kann sehr leicht durch sie durchnavigieren, kann sie überall gut lesen, sogar ohne Vergößerung. Und mit Vergrößerung ist das noch besser. Und mit unserer Vergrößerungsfunktion kann man das dann ganz prima lesen.
- Nutzern ist egal, welches Format die haben. Wichtig ist, dass man eine Geschichte mit Text und Bild erzählt. Man kann Geschichten opulent erzählen können, vor allem im Boulevard. Keine Restriktionen mehr wie vor DTP.
- Genau das bildet das PDF ab, diese neue Kultur und deswegen ist es populär.
- Läuft wirklich gut.
- Statisch ist auch nicht schlimm, Kunden wollen auch gern mal ne ganze Zeitung herunterladen und dann z.B. in Urlaub mitnehmen.
- Aber irgendwann kommt HTML5
irgendwas an Telekom, wird das ausgeweitet?
- natürlich, wollen weitere Verlage für sie gewinnen
- wollen Vollsortimenter werden
an Reibnitz: Macht die klein-klein-Strategie der deutschen Verlage hier Sinn gegenüber z.B. Apple?
- Wettbewerb ist gut, je mehr es gibt, desto besser für Nutzer
- wesentliche Voraussetzung für digitale Vertriebsstellen ist nicht nur das Sortiment. Wichtig ist eine direkte Anbindung an ein Endgerät und Integration. Sehen wir bei Apple und sicher auch bei Amazon.
- Auch andere Hersteller bieten nun Tablets an und werden dann auch Kioske integrieren.
- BILD soll z.B. vorinstalliert bei Samsung kommen.
Springer ist ja sehr zurückhaltend, was die Einstellung von fremden Titeln anbelangt. Warum?
- Wichtige strategische Frage.
- Will nochmal an Medientagen vor 1 Jahr erinner. Damals gab es nur Apple und da hiess es, dass man sich einem solchen Monopol nicht ausliefern kann. Ist ja jetzt passiert, Apple ist nicht mehr allein.
- Man zieht natürlich damit Kundenaufmerksamkeit auf den Kiosk, damit muss man aber umgehen
- Es hat sich aber inzwischen eine gewisse Entspanntheit am Markt gezeigt. Was uns wichtig ist, sind die Konditionen. Sie hätten es z.B. gerne zwischen 20% oder irgendwo zwischen 20-30%.
Mischke: Aus pubbles-Sicht kann man nicht nachvollziehen, dass es nur ein paar Verlage sind. Sind mit vielen in Gesprächen. Frühe Phase des Marktes, Konditionen werden nicht von heute auf morgen ausgehandelt.
Für Kunden stellt es sich klein-klein dar und er kann noch kein Vollsortiment der deutschen Presse beziehen, das wird sich aber ändern.
Ist nicht der Kunde, der es erkennen sollte? Muss der mit x Kiosken umgehen? Ist der Markt an einer anderen Stelle vielleicht schon nicht mehr an dieser Stelle?
Ribbrock: Natürlich erwartet der Kunde das. Auch die Einzelapps ist vielleicht nicht das, was der Kunde sich wünscht.
Verlage müssen offener und zielstrebiger werden.
Sieht PDF auch als super Medium, ist standardisiert. Im Unterschied zu interaktiven Formaten. Es gibt ein grosses Portfolio.
Wieso ist PagePlaces nicht vorinstalliert ausgeliefert?
- man will auf vielen unterschiedlichen Endgeräten zur Verfügung stehen. Geht ja auch auf iOS und Android
- Vorinstallationen werden kommen. Das ist mehr als sinnvoll.
an Specht: Sind sie überzeugt?
- Ich fühle mich bestätigt in meiner Keynote, denn Diskussion geht an der Wirklichkeit vorbei.
- wir können nicht kleine Portale gegen grosse Stellen. Klein/klein nicht sinnvoll
- Auch Nutzer ist nicht genug berücksichtigt.
- kleine Systeme können daher nicht bestehen.
- These: Wir werden von diesen Angeboten viele nicht mehr sehen in 1-2 Jahren. Oder irrelevant
- Ergebnis stimmt ihn nicht zufrieden.
Knothe:
- sieht den Bedarf für neue Regelung noch nicht, fordert ja keiner der Anbieter.
- Die Plattformen haben anscheinend genug Sonne und sehen den Mähdrescher noch nicht um die Ecke kommen.
- Die müssen mir sagen, was sie denn brauchen.
- Wird der Markt von wenigen dicht gemacht?
- Habe 2 Plätze: national und international. Der nationale Markt scheint plural zu sein, da sehe ich keinen Grund zu handeln.
- Habe ich einen internationalen Markt? Sieht das nicht so, auch der Kunde sagt ihm nicht, dass er sich eingeengt fühlt.
Macht es Sinn, viele unvollständige Kioske hinzustellen? Ist ja auch in analoger Welt nicht so.
Knothe:
- Ein Kiosk bietet ja nicht automatisch alles an. z.B. nicht Kieler Nachrichten in Köln.
- Das wird per Nachfrage gesteuert.
- Kann man daher nicht über einen Kamm scheren
- Natürlich wäre es schön für ihn, wenn es nur eine Plattform gäbe.
- zu Apple: Wir bräuchten ja dann auch eine weltweite Regulierung, ist das jemals umsetzbar?
- Ich reguliere nicht, wenn ich nicht regulieren muss
- Sieht im Moment keinen Bedarf dazu. Gibt ja auch Regelungen. Aber im Moment ist kein deutscher Anbieter marktbeherrschend. Auch international nicht.
Keese: Will Apple und Google noch erwähnen.
- Apple wollte Regeln im App-Store massiv verschärfen
- Haben sich um Dialog mit Apple bemüht. War nicht einfach
- was Apple nachher eingeführt hat, ist deutlich anders als vorher geplant.
- Beispiel: Wir brauchen einen Hintergrund-Push, das wollte aber Apple nicht. Aber im neuen Newsstand wird es nun möglich sein. Da hat man uns zugehört.
- Dann die Frage nach Rabatten, dass man es nie billiger verkaufen durfte als im Appstore. Damit konnte man keine Bündel mehr machen. Apple hat das eingesehen und haben die Regeln modifiziert.
Google:
- Gibt Beschwerde gegen Google wegen Shopping-Suche. Sucht man z.B. nach EOS, dann findet man zunächst die Suchergebnisse der Google Shopping-Suche, aber nicht die der deutschen Produkt-Suchmaschinen. Also marktbeherrschende Stellung und daher Beschwerde. Hier würden Suchergebnisse unzulässigerweise nach oben geschoben.
Reibnitz: Was man regulieren könnte: Pressefreiheit. Kioske haben Macht.. (hab ich nicht verstanden wirklich)
Specht: Die grossen Player sind keine Kiosk-Betreiber. Wir geben an die unsere Kundenkontakte ab, wir können keine Kundenströme lenken. Die Player sind aber keine Inhalteanbieter, die sind an Werbung interessiert, das ist für sie viel interessanter.
Wir müssen daher in diese Ökosysteme ganz anders einsteigen.
Das ist die Rolle eines Intermediärs, der sich zwischen Kunde und Anbieter setzt und den Markt verändert. Was anderes als ein reiner Kiosk.
Keese: Wer meinen Inhalt haben möchte, muss dafür bezahlen (zu aggregiertem freien Content).
Schlussrunde:
Keese: Uns treibt mehr Blogs um, z.B. Huffington Post oder Mashable. Die sind alle größer als die Washington Post. Auch TechCrunch. Das machen die alle beängstigend gut und wenn man ehrlich ist, besser als die traditionellen Medien.
Manche Publikationen haben sich das zu eigen gemacht. Teilweise haben die bis zu 25 Leute, die daran arbeiten. Hier arbeiten Content-Erzeuger und Aggregatoren zusammen (hab ich nicht verstanden. Wenn man Community hat, ist doch Aggregator egal. Haben ja auch alle RSS-Feeds).
Da sind wir auch entspannte und fröhliche Weise paranoid (hab ich auch nicht verstanden).



